Vom College zur Weltranglisten #64: Interview mit Peter Luczak

© Maivon

Im Rahmen unserer Interviewreihe mit Sportlern die den Sprung vom Universitäts- zum Profisport geschafft haben, sprachen wir mit Peter Luczak, ehemaliger College Tennisspieler und heute erfolgreicher Profisportler.

"College gab mir die Gelegenheit, mich körperlich und geistig als Spieler zu entwickeln"

Du hast bei allen Grand Slams im Hauptfeld gespielt und standest in den größten Arenen gegen Roger Federer, Rafael Nadal auf dem Platz. Im Jahr 2009 hast du die höchste Platzierung auf der Weltrangliste # 64 erreicht. Das ist ein Traum für jeden Spieler im College, wie ist es dir gelungen?

Ich bin nicht sicher um ehrlich zu sein. Ich weiß es war eine Menge Glück dabei, aber ich denke insbesondere die Menschen die mich umgeben haben, haben mit ihrer Unterstützung dazu beigetragen, dass ich es als Tennisprofi geschafft habe.

Wie alt warst du als du in die USA gegangen bist, und was haben deine Freunde und Familie über diese Idee gedacht?

Ich war 18 und hatte gerade mein Abitur in Melbourne erlangt. In Australien beenden wir das Schuljahr im Dezember, und im Januar war ich schon auf dem Weg nach Kalifornien zur Fresno State University um im Frühjahrssemester zu starten. Ich denke meine Freunde und Familie waren alle sehr aufgeregt, vor allem aber mein Vater. Ich wollte unbedingt Futures nach der High School spielen, und direkt Profi werden, aber mein Vater hat mich überredet eine Hochschule zu besuchen, denn er meinte es gibt keine Zukunft im Tennis für mich. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sicherlich Recht.

Wie hoch war dein Ranking in Australian ( ATP / Junior ITF) bevor du aufs College gegangen bist?

Ich hatte definitiv keine ATP-Weltranglisten Position bevor ich aufs College ging, und ich bezweifle ob ich ein ITF Junioren Ranking hatte. Ich war nie einer der Top-Junioren in Australien. Wir haben 7 Staaten in Australien und ich würde sagen ich stand immer zwischen 3-6 in meinem Bundesstaat.

Hast du über das Spielen auf der ATP-Tour gedacht als du zur Fresno State gegangen bist?

Ja, ich wollte immer auf die Tour gehen. Wie ich schon bereits erwähnte, wollte ich direkt nach der High School auf der Tour spielen, aber mein Vater hat mich überzeugt etwas anderes zu tun. Wie sich im Nachhinein herausstellte war es die beste Entscheidung. Ein großer Teil der Junioren aus Australien, die in meiner Altersgruppe viel besser als ich waren, gingen direkt auf die Tour, und blieben aus verschiedenen Gründen auf der Strecke. Ich habe keinen Zweifel daran, dass ich ein ähnliches Schicksal teilen würde wenn ich mich doch für die Tour entschieden hätte.

Was war deine größte Herausforderung in der Uni?

Es ist schwer zu sagen, weil ich so viel Spaß hatte, und meine Zeit im College wirklich genossen habe. Von Zeit zu Zeit habe ich meine Familie sehr vermisst, aber man ist so beschäftigt mit Tennis-, Studium, und Freunden, dass nicht viel Zeit bleibt um Heimweh zu bekommen. Es war sehr gewöhnungsbedürftig ständig mit neuen Bällen in Matches und im Training zu Spielen. Des Weiteren, ist die NCAA Regel nach Netzrollern beim Aufschlag weiterzuspielen sehr witzig, hat mir leider in den ersten 6 Monaten oft einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Welche Auswirkungen hatten die Jahre im College auf deine Karriere auf der ATP-Tour?

Diese Zeit hatte einen großen Einfluss auf mich. Ich habe meine größte Fortschritte während meiner Studienzeit erzielt. Mein Trainer und Landsmann “Michael Hegarty” hatte einen riesigen Anteil an meiner Entwicklung, er ist jetzt Trainer des Damenteams in Arkansas. Es ist wirklich schwer sich nicht zu verbessern wenn man in einem solchen Umfeld studiert und trainiert. Wir hatten ein motiviertes Team von acht jungen Männer die sich alle gegenseitig gepushed haben, und einen Trainer der alles für uns gegeben hätte.

Was war dein Studienfach in der Uni und wie profitierst du heute davon?

Ich studierte Business / Finanzen aber nicht bis zum Ende. Wie ich bereits erwähnt habe, ging ich im Frühjahr 98 in die USA. Ich habe mich in meinem Abschlussjahr im College entschieden ein paar Satellites und Futures als Amateur zu spielen, deshalb war ich nur für sechs Semester (2 Herbst, 4 Frühjahr) in der Uni. Es fehlen mir wenige Scheine um meinen Abschluss zu erlangen. Ich hatte immer die Hoffnung nach meiner Tennis-Karriere den Abschluss nachzuholen, aber ich bezweifle ob ich es jemals tun werde.

Was hat dich das College über das Leben auf der ATP-Tour gelehrt?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich weiß, dass das Leben auf der ATP-Tour sehr hart ist. Das Leben eines Tennis Spielers im College ist sorgenfrei und einfach im Vergleich. Ich spiele gerne Tennis und liebe es auf der Tour zu sein, aber es ist nicht immer so glamourös wie es aussieht. Besonders am Anfang wenn man auf der Tour bei den Futures zu spielen beginnt und keinen Cent in der Tasche hat. Im College ist alles bereits für dich erledigt, deine Hotelzimmer und Flüge werden für dich gebucht, Termine werden vom Trainer organisiert, Verpflegung und Restaurants werden oft vom Team bezahlt. Selbst für deine Kleidung und Ausrüstung wird gesorgt. Im Prinzip muss man sich nur auf dem Platz zeigen und spielen. Und das Beste an der Sache ist, du hast die volle Unterstützung von deinem Team, du gewinnst und verlierst gemeinsam.

Welchen Rat würdest du jungen Spielern geben, die über das Spielen auf der Tour während und nach dem Studium denken?

Es hängt natürlich davon ab wie gut die Spieler sind, und in welchem Umfeld sie im College spielen, aber mein Rat wäre, bleibt so lange ihr könnt im College und macht das Beste aus euren Möglichkeiten. Im College hat man die Chance sich zu Verbessern und an seinem Spiel zu arbeiten ohne sich Gedanken über die Finanzierung des Trainings und Studiums zu machen, oder den Zwang unbedingt ATP Punkte gewinnen zu müssen. Ich habe erst mit 26 angefangen mein bestes Tennis zu spielen, und das war lange nach meiner College Karriere. Man hat noch genügend Zeit um Profi zu werden und man sollte nichts überstürzen.

Warum sind viele Tennisspieler wie James Blake, Jonas Björkman, den Bryan-Brüdern Lisa Raymond oder Jill Craybas so erfolgreich auf der Tour, nachdem sie das College verlassen?

Alle diese Spieler sind viel erfolgreicher als ich und ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen. Im Rückblick kann ich nur sagen, dass ich mit 18 nie im Leben bereit war für die Tour. Erst das College gab mir die Gelegenheit, mich körperlich und geistig als Spieler zu entwickeln. Die entscheidenden Jahre von 18 bis 21 waren das Sprungbrett für meine Profikarriere. Anstatt von dem Druck der Tour als Spieler überwältigt und desillusioniert zu werden, hatte ich die Zeit mich auf das Tourleben gut vorzubereiten, und war wirklich bereit für diesen Schritt.