Profisport + Uni = Unmöglich / Oder Sportstipendium in den USA als Lösung?

Eine Studie der Spielergewerkschaft VDV hat ergeben, dass viele Fußballprofis für die Zeit nach der Karriere nicht abgesichert sind. Demnach würden 90 Prozent der Profis auf eine Stelle im Fußball spekulieren, obwohl die Branche nur sehr wenige zur Verfügung stellt. 75 Prozent seien nach der Karriere ohne berufliche Qualifikation, 25 Prozent wären dauerhaft arbeitslos – und nur zehn Prozent hätten finanziell ausgesorgt! Zudem ergebe sich eine Diskrepanz zwischen der Schulbildung und der beruflichen Qualifikation von Fußballprofis in Deutschland. Bei der Befragung gaben ca. 55 Prozent an, über das Abitur oder die Fachhochschulreife zu verfügen. Knapp ein Drittel der Teilnehmer hätten einen Realschulabschluss und zwei Prozent der Befragten hätten einen Hauptschulabschluss. In Zusammenarbeit mit der FH Koblenz wurden insgesamt 213 Profis bei der Studie befragt. Lediglich nur fünf Prozent könnten ein abgeschlossenes Studium Vorweisen.

Besonders auffällig sei laut VDV der Zusammenhang zwischen Ligazugehörigkeit und Qualifikationsniveau: Je tiefer die Liga, desto höher die berufliche Qualifikation. Diese Hypothese lässt vermuten, dass die Vereinbarkeit von Profisport und beruflicher Ausbildung oder Studium vom Aufwand im Sport abhängig ist.

"Je tiefer die Liga, desto höher die berufliche Qualifikation."

Natürlich können durchaus auch andere Gründe eine große Rolle spielen, wie zum Beispiel mangelnde Aufklärung oder Unterstützung bei der Karriereplanung. Während der Zeit als Profi-Sportler verdienen viele Sportler ein überdurchschnittlich hohes Gehalt und können auch in unteren Ligen sehr gut ihren Lebensunterhalt bestreiten. Allerdings wird von den Profis auch viel erwartet und nur wenige deutsche Vereine kooperieren mit Universitäten.  Da stellt sich die Frage, ob man dem deutschen Spitzensportler nun empfehlen muss in unteren Ligen zu spielen, um eine bessere Berufsaussicht zu haben? Wenn das Gehalt nicht hoch genug ist, dass es bis zum Lebensende reicht. Der Abbruch der sportlichen Karriere wäre ein durchaus nachvollziehbarer Entschluss. Obwohl sportartunabhängig Wettkampferfolge durchaus Früchte tragen und wie beispielsweise Olympiasieger monatlich deutlich mehr verdienen als Sportler, die den Titel „Deutscher Meister“ tragen, erscheint ein Bachelor-Abschluss, der ein im Schnitt ein Jahreseinstiegsgehalt von etwa 36.000 Euro Brutto erwarten lässt, vielen Profis perspektivisch sicherer. Nebenbei bemerkt stehen Bachelor-Absolventen finanziell oft nicht schlechter da als Studenten mit einem Master-Abschluss. Den zusätzlichen Zeitaufwand für die Spezialisierung sollte man sich gut überlegen, da laut einer aktuellen Untersuchung in 85% der Unternehmen damit jedes Karriereziel erreicht und der Master auch später berufsbegleitend und zielorientiert absolviert werden kann.

Leider ist ein zeitgleiches Präsenzstudium in Deutschland fast unmöglich, da die Strukturen gegen eine duale Karriere aus Sport und Studium sprechen. Das System deutscher Universitäten kann durchaus als spitzensportfeindlich bezeichnet werden, da die Athleten aufgrund von Überschneidungen von Prüfungen und Wettkämpfen Extrasemester absolvieren müssen und ihr Studium nicht innerhalb der Regelstudienzeit abschließen können. Viele Athleten entscheiden sich früher oder später daher für ihre berufliche Karriere.

Eine Möglichkeit Studium und Sport auf höchstem Niveau unter einen Hut zu bringen ist ein Studium in den Vereinigten Staaten. Mit einem soliden Sportstipendium ausgestattet, nehmen Sportler für die Universitäten an Wettkämpfen teil und können sich gleichzeitig auf ihr Studium konzentrieren, ohne akademisch oder sportliche Kompromisse. Sportler werden durch einen umfangreichen Trainerstab und Ärzteteam bestens betreut, Stunden- und Trainingspläne sind perfekt aufeinander abgestimmt. Die Trainer legen dabei nicht nur Wert auf die sportliche Ausbildung, sondern behalten auch die akademische Entwicklung im Blickfeld und falls notwendig, wird den Sportlern noch Nachhilfe gestellt. Der akademischen Abschluss schafft dann eine wichtige Grundlage für die Zukunft nach der Sportkarriere. Dass ein Studium oder berufliche Erfahrung im Ausland als nicht zu unterschätzendes Einstellungskriterium in vielen Unternehmen gilt ist nicht von der Hand zu weisen. Sportler müssen auf diesem Weg die in ihrer Sportart gesteckten Ziele und Träume nicht vorzeitig aufgeben und haben dennoch für die Zeit nach ihrer Sportkarriere vorgesorgt.